Wann kommt der neue Kulturraum für Leipzigs Osten?
Auszug aus Konzeptverfahren zum ehemaligen Kino der Jugend – Stadt Leipzig
Ehemaliges Kino soll wiederbelebt werden
Bis in die 1920er Jahre gehörte das Gebäude zur Leipziger Gasanstalt, wurde dann jedoch nicht mehr benötigt. So wurde es zum Kino mit 990 Sitzplätzen und war zwischen 1928 und 1987 als solches in Betrieb. Dann schlummerte es seinen Dornröschenschlaf. Aus selbigem könnte es schon bald erweckt werden und ein neuer Ort gesellschaftlichen Miteinanders erblühen.
Schon länger gab es Initiativen, die für eine Wiederbelebung Ideen entwickelten. Nun war die Gelegenheit für all jene Kulturbegeisterten und gesellschaftlich Engagierten gekommen, ihre Ideen in konkrete Konzepte zu gießen und sich mit diesen an dem Verfahren zur Bestellung eines Erbbaurechts zu beteiligen.
Konzeptverfahren startete im Sommer 2020
Mit der Veröffentlichung am 4. Juli 2020 lief die Bewerbungsphase, bis zu deren Ende am 30. September 2020 zwei Konzepte als ernstzunehmende Interessenbekundungen eingereicht wurden. Nach abgeschlossener Vorprüfung beider eingereichter Konzepte bewertete Ende November 2020 eine Auswahlkommission die abgegebenen Konzepte. Zusammengesetzt war die Kommission aus Vertreterinnen und Vertretern des Fachausschusses Stadtentwicklung und Bau, des Landesverbands Soziokultur, des Amtes für Wohnungsbau und Stadterneuerung, des Kulturamtes und des Liegenschaftsamtes.
IG Fortuna überzeugt Auswahlkommission
Die eingesetzte Jury votierte einstimmig für das Konzept der IG Fortuna: Es setzt bei der Entwicklung eines multifunktionalen Kulturraumes auf eine starke soziokulturelle Ausrichtung, ein hohes Maß an Bürgerbeteiligung und einen ausgeprägten Stadtteilbezug. Ein wichtiger konzeptioneller Bestandteil war die schrittweise Sanierung des Gebäudes mit einer sich abwechselnden Nutzung.
Am 24. März 2021 wurde der IG Fortuna symbolisch ein großer Pappschlüssel für das Kino der Jugend übergeben und somit ganz praktisch das Betretungsrecht zugesprochen. Während dieser „Anhandgabe“ können die Projektverantwortlichen exakte Bau- und Sanierungsplanungen voranbringen, ihr Finanzierungskonzept konkretisieren, Fördermittel einwerben und einen Bauantrag oder zumindest eine Bauvoranfrage stellen. Anschließend könnte der Erbbaurechtsvertrag geschlossen werden. Dieser sieht eine Laufzeit von 60 Jahren sowie eine Bau- und Nutzungsverpflichtung vor.
Seitdem…
… haben wir die verschiedensten Veranstaltungsformate realisiert. Vieles könnt ihr auf der Website entdecken.
Aber es haben auch viele Termine und Abstimmung stattgefunden und Beauftragungen für Planungen und Bauuntersuchungen wurden ausgelöst. Unser Architekt Winfried Endres konnte arbeiten und das Haus so planen, dass neben den Anforderungen an Brandschutz, Baurecht und Denkmalschutz auch die Anforderungen an die von der Stadt Leipzig eingeworbenen Fördermittel zum Erhalt des Baudenkmals passen.
Allerdings gab es auch viele Umwege und Verzögerungen. Es gab Abstimmungen, die zu keinem Ergebnis führten und Sendepausen, in denen wir nur durch Umwege von den Absprachen zwischen den Ämtern erfahren haben.
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Hier kurz ein Einschub: Die IG FORTUNA sitzt hier nicht mit Kulturamt oder dem Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung am Tisch. Bei den Mitarbeiter:innen dieser Ämter würden wir auf ein Grundverständnis für unsere Ideen stoßen. Verantwortlich für die Anhandgabe der Immobilie ist das Liegenschaftsamt (Hinweis: Bis 2025 im Dezernat für Bau angesiedelt, inzwischen wieder beim Wirtschaftsdezernat). Zusätzlich sind wir noch in Abstimmung mit dem Mobilitäts- und Tiefbauamt (Nebengebäude), dem Amt für Wohnungsbau und Stadterneuerung (Fördermittel Soziale Stadt) und dem Amt für Bauordnung und Denkmalpflege.
Das ist eigentlich schon an sich eine Zumutung für eine Bürgerinitiative wie uns…
Bereits 2023 wurde der erste Fördermittelbescheid aus dem Denkmalschutz-Sonderprogramm XI des Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien (BKM)erteilt. Die Stadt Leipzig hat mit unserer tatkräftigen Unterstützung für den Erhalt des Denkmals und einer ersten Ausbaustufe diese Mittel eingeworben. Es gab innovative Bauplanungen unseres Architekten, aber die ständig neuen Anforderungen und Bedenken führten zu einem weiteren Bauvorhaben: die komplette Dachsanierung mit den Mitteln aus dem Förderprogramm Soziale Stadt. Unter der Federführung durch die Stadt Leipzig.
Diese Konstellation verhindert im Moment auch die Fertigstellung des Erbpachtvertrags.
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Themenpunkte vieler Treffen waren auch die NICHT geklärte Bereitstellung des Nebengebäudes, welches noch durch die Stadt als Lager genutzt wird, aber auch Bestandteil des Vergabeverfahrens war. Ebenfalls abgestimmt wurde der Flurstückszuschnitt für die in Erbbaupacht zu vergebenen Flächen – eine essentielle Entscheidung! Ohne die Kenntnis der genauen Größe des Grundstücks kann der Erbzins (den der Verein jährlich entrichten muss) nicht errechnet werden. Für uns natürlich noch wichtiger ist der Außenraum den wir für ein gastronomisches Angebot und Veranstaltungen aber auch Fluchtwege und Anlieferungen brauchen.
10 Jahre Vereinsarbeit
Seit 2015 investieren wir mit viel ehrenamtlichem Engagement umfassend in Sichtbarkeit, Planung, Barrierefreiheit und Infrastruktur (über 100.000 €).
Vereinsziel ist die Rettung des Denkmals Kino der Jugend und die Nutzung des Gebäudes als Kulturzentrum mit dem größten Saal im Leipziger Osten.
Wir haben unsere Angebote mit vielen tollen Akteuren aus der Nachbarschaft und darüber hinaus ständig ausgebaut. Ihr Seid regelmäßig bei uns zu Gast und dafür sagen wir DANKE!
Fortschritte beim Vergabeverfahren und den Sanierungen, die die Stadt vor der Vergabe durchführen wollte, bleiben jedoch aus.