PRESSEMITTEILUNG: IG FORTUNA – Bereits über 1.000 Unterschriften für den Erhalt des „Kino der Jugend“

Als sich die „IG FORTUNA | Kino der Jugend“ vor knapp zwei Monaten gründete, ahnte kaum einer, welche Bedeutung das 1987 geschlossene Kino in der Eisenbahnstraße 162 für viele Leipzigerinnen und Leipziger bis heute besitzt. Diese hohe Resonanz können die „Kinoretter“ nun auch mit Zahlen untermauern. Ohne großen Aufwand hat die Interessengemeinschaft, in der sich neben Nachbarn und jungen Kulturschaffenden auch die vier zentralen Bürgervereine der angrenzenden Viertel (Neustädter Markt e.V., BV Volkmarsdorf, Bülowviertel e.V., BV Sellerhausen-Stünz) zusammengetan haben, bereits über 1.000 Unterschriften für den Erhalt des Gebäudes gesammelt. „Wo auch immer wir für die Rettung des Kinos geworben haben, sind wir auf eine Welle der Sympathie gestoßen.“ bestätigt Jörg Werner, einer der engagierten Nachbarn in der IG.

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Mittlerweile ist klar, dass die in der Zeit der Weimarer Republik zum Kino umfunktionierte Industriehalle auch ein Symbol für die sich verändernde Stadtentwicklung ist. Leipzig galt nach der Wende als Paradebeispiel einer „schrumpfenden Stadt“ mit hohem Wohnungsleerstand, niedriger Geburtenrate und starker Deindustrialisierung. Die vielen Brachen vor dem Verfall zu schützen, war aufgrund geringer Steuereinnahmen aus der Stadtkasse kaum zu finanzieren. Heute dagegen ist Leipzig wieder zur „Boomtown“ geworden, eine der im bundesweiten Vergleich am schnellsten wachsenden Städte Deutschlands. Investoren überschlagen sich beim Run auf die Immobilien, bezahlbarer Wohnraum kann schon jetzt als knappes Gut gelten und immer mehr junge Menschen zieht es in das bunte, kulturbewegte Leipzig. Aufgrund der besonderen Baugeschichte ging diese Entwicklung jedoch bisher am ehemaligen „Kino der Jugend“ vorbei. Nachdem bereits 2012 Abrisspläne am Denkmalschutz scheiterten, gilt die der Kommune gehörende und vom Liegenschaftsamt verwaltete Immobilie als nahezu wertlos. Das Grundstück, das kaum größer ist als das Gebäude, der hohe Sanierungsaufwand und mögliche Bodenbelastungen aus der Zeit der industriellen Nutzung vor 1928 machen das Kino praktisch unverkäuflich. Trotzdem will das Liegenschaftsamt die Immobilie schnellstens versteigern, da die Kosten der Verkehrssicherung aufgrund des sich verschlechternden baulichen Zustandes in die Höhe gehen. Momentan befindet sich das Objekt noch in der Eignungsprüfung beim Sozialamt bezüglich einer potentiellen Nutzung als Flüchtlingsunterbringung, was allein schon wegen der Einsturzgefahr unmöglich ist, danach kann die Ausschreibung aber sehr schnell erfolgen. Dass ein privater Eigentümer nach dem Erwerb des Kinos zügig abreißen könnte, davon ist Daniel Schade, der Sprecher der IG, überzeugt: „Was die nächsten zwei Winter nicht erledigen, übernimmt dann die Abrissbirne. Für einen privaten Käufer ist nur der Grund und Boden eine Investition wert.“

.Fortuna 12.10.2015Beim letzten Treffen des Stadtbezirksbeirat Ost hat die IG deshalb ihr Anliegen vorgetragen, das ehemalige „Kino der Jugend“ zu erhalten und wieder einer Nutzung als Kultursaal zuzuführen. Dank Vermittlung des Stadtbezirksbeirates konnte dabei auch mit Vertretern des Amts für Stadterneuerung und Wohnungsbauförderung (ASW) und des Liegenschaftsamtes diskutiert werden. Größte Sorge macht der IG vor allem das offene Dach. Ein Notdach müsse schnellstens errichtet werden. Das Liegenschaftsamt schätzt die Kosten dafür auf ca. 120.000 Euro und will diese aufgrund mangelnder Wirtschaftlichkeit nicht finanzieren. Die IG setzt ihre Hoffnung nun auf zurücklaufende Gelder, die noch in dieser Haushaltsperiode ausgegeben werden müssen und deshalb umgewidmet werden könnten. „Bisher haben wir aus Verwaltung und Politik nur positives Feedback für unsere Idee erhalten. Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg!“, so Schade kämpferisch.

Angeregt vom ASW drängt die IG außerdem darauf, dass die Ausschreibung der Immobilie wenn überhaupt dann nur im Erbbaurecht und im Konzeptvergabeverfahren erfolgt. Hierbei kann die Kommune als Eigentümerin Kriterien für die spätere Nutzung festlegen und sich aus dem Kreis der Bieter den mit dem geeignetsten Konzept aussuchen, anstatt lediglich an den Höchstbietenden zu verkaufen. „Die Vergabe im Erbbaurecht und nach Konzept sind zwei wichtige kommunalpolitische Instrumente, um die Stadtentwicklung nachhaltig zu steuern, gerade bei der gegenwärtigen Marktlage. Entsprechende Erfahrungen konnten jüngst beim Alten Felsenkeller in Plagwitz gemacht werden., erklärt Roman Grabolle vom Haus- und WagenRat e.V., der die IG berät. Aufgrund des erwartbar geringen Verkaufserlöses hat das Liegenschaftsamt der IG bereits signalisiert, einer Konzeptvergabe positiv gegenüberzustehen. Zusammen mit dem ASW will die IG deshalb an möglichen Vergabekriterien arbeiten und auch selbst ein Konzept für einen multifunktionalen Kultursaal entwickeln. Die IG lädt hierzu alle Interessierten am Mittwoch, den 18.11., von 10-14 Uhr in die Eisenbahnstraße 143 (Ladenparterre, am Kino schräg gegenüber).

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Außerdem wird die IG zur kommenden Stadtratssitzung an diesen Donnerstag, den 19.11., die über 1.000 Unterschriften, die bereits gesammelt wurden, an den Oberbürgermeister Burkhard Jung öffentlichkeitswirksam übergeben, um ihn auf die kritische Lage des Kinos aufmerksam zu machen und als Unterstützer der Rettung zu gewinnen. Die IG lädt hierzu alle interessierten Leipziger/-innen ab 13:30 Uhr in das Foyer des Neuen Rathauses. Zu diesem Termin stehen auch Vertreter/-innen der IG für weitere Fragen zur Verfügung.

 

Pressekontakt:

Daniel.Schade[ät]ost-passage-theater.de

Telefon: 0177 / 488 555 9

… auch bei Facebook: https://www.facebook.com/igfortuna

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